Kleine Geburt (Fehlgeburt)

Eine Fehlgeburt ist die Geburt eines Kindes, das keine Lebenszeichen zeigt und weniger als 500g wiegt. 

Viele betroffene Menschen finden den Begriff Fehlgeburt unpassend, da das Wort den Eindruck vermittelt, man habe einen Fehler gemacht. Dabei geschehen die allermeisten Fehlgeburten ohne erkenntliche Ursache. Ein alternativer Begriff ist kleine Geburt, wobei hiermit eher die Geburt im ersten Trimester gemeint ist. Manche Frauen*, vor allem wenn die Geburt im zweiten Trimester stattfindet, bevorzugen den Begriff stille Geburt.

Etwa jede vierte Schwangere erlebt eine Fehlgeburt. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher.

Gründe für eine kleine Geburt sind unter anderem Chromosomenaberrationen (z.B. Trisomie 13 und 18), Infektionen, Alkoholkonsum oder Erkrankungen der Mutter (z.B. Störung der Blutgerinnung). Wichtig: In den allermeisten Fällen ist keine Ursache bekannt.

Obwohl so viele Schwangere betroffen sind, ist die Aufklärung nach wie vor mangelhaft. Frauen* werden teilweise schlecht aufgeklärt und ihnen wird dadurch die Möglichkeit genommen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Dabei dürfen wir uns alle bewusst machen: Eine kleine Geburt ist eine Geburt. Die Geburt darf und soll wie jede Geburt liebevoll geplant werden und selbstverständlich hast du jedes Recht, um dein geliebtes Baby zu trauern.

Im ersten Trimester hast du die Wahl zwischen einer Cürettage (,,Ausschabung") dem Zuwarten Zuhause auf den natürlichen Beginn der Geburt oder der medikamentösen Einleitung der Geburt.  Im Normalfall darf davon ausgegangen werden, dass der weibliche Körper die Geburt ohne medizinischen Eingriff (also ohne Medikamente und ohne Cürettage) gut regelt. Leider wird sehr häufig vermittelt, dass die Geburt so schnell wie möglich beginnen muss. Das ist nur selten notwendig. Meistens besteht keinerlei Grund zur Eile.

In jedem Fall solltest du dich durch deine Hebamme und deine_n Gynäkolog*in aufklären lassen. 

Abhängig von der Schwangerschaftswoche und dem Geburtsmodus (Natürliche Geburt oder Cürettage) kannst du das kleine Baby eventuell sehen. Ab der 14. SSW können ehrenamtliche Sternenkind-Fotograf*innen engagiert werden: https://www.dein-sternenkind.eu/

Während die Geburt im ersten Trimester unter gewissen Voraussetzungen Zuhause stattfinden kann, ist es empfohlen, im zweiten Trimester im Spital zu gebären.

Nach der Geburt benötigt der Körper viel Ruhe. Es ist daher ratsam nach einer kleinen Geburt ein Wochenbett einzuhalten: Es ist sehr wichtig, viel zu liegen, dich bekochen zu lassen oder Essen zu bestellen und ausreichend Flüssigkeit zuzuführen. 

Die Dauer der Blutung, die jede Frau* nach einer Geburt erlebt, ist abhängig von der Schwangerschaftswoche sowie vom Geburtsmodus.

Es kann sein, dass die Milchproduktion wenige Tage nach der Geburt beginnt. Das hängt nicht nur von der Schwangerschaftswoche ab, sondern ist von Mensch zu Mensch verschieden. Du hast die Möglichkeit natürlich oder medikamentös abzustillen. 

In jedem Fall, egal ob die Geburt Zuhause oder im Spital stattfindet und unabhängig der Schwangerschaftswoche:

Alle Frau*en haben das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt und ein würde- und liebevolles Kennenlernen und Verabschieden ihres Babys in ihrem eigenen Tempo. Hierfür gibt es viele verschiedene Möglichkeiten und Rituale, auch wenn dein Baby nicht mit den Augen gesehen werden konnte. Gerne begleitet Nabhinadi dich.

Du kannst in dem Krankenhaus, in dem du die Geburt haben wirst oder gerade erst hattest, nachfragen, wo, wann und ob dein Baby bestattet wird und dich über die Möglichkeiten aufklären lassen, eine eigene Bestattung zu planen.